Buchtipp: Heillose Zustände (Dr. med. Werner Bartens)

„Warum die Medizin die Menschen krank und das Land arm macht“ erläutert Dr. Werner Bartens auf schockierende Weise. Schon in den Klappenseiten finden sich 50 bittere Wahrheiten, die das Vertrauen in die moderne Medizin erschüttern. Zu Recht? Dr. Bartens zitiert an vielen Stellen wichtige Entscheider unseres Gesundheitssystems. Offenbar ist sich ein großer Teil von ihnen einig: Zu viele Operationen und aufwendige Behandlungen – aber viel zu wenig Zeit für Diagnostik und Gespräche.

Abgerechnet werden kann nur nach der Schwere der Diagnose, die möglichst schnell gefunden werden muss, und nach dem Aufwand an Behandlung am Patienten. Aber „die ärztliche Kunst, abzuwarten und vorerst nichts zu tun, lässt sich betriebswirtschaftlich nicht optimieren.“

Schon die Frage, ab wann ein Mensch überhaupt als krank anzusehen ist, ist in der modernen Medizin äußerst umstritten. Reicht es, dass ein Blutwert, ein Gefäß oder ein Knochen leicht vom festgesetzten (aber nicht hinreichend überprüften) Standard abweicht oder sollte zumindest eine subjektive Komponente des Unwohlseins eines Patienten hinzukommen?

Dr. Bartens weist aber auch auf einen weiteren Punkt hin. Viele Ärzte verstehen Statistiken nicht, die für die Einordnung, ob eine Behandlung einem Patienten mehr nutzt oder mehr schadet, von immenser Bedeutung ist. Warum das so ist und warum Statistik tödlich sein kann, belegt Dr. Bartens mit vielen Beispielen, sodass auch medizinische Laien in die Lage versetzt werden, endlich eine eigene wohlüberlegte Entscheidung zu treffen, ob sie eine Behandlung überhaupt wollen. Schließlich sind sie es, die profitieren könnten aber auch mit schwerwiegenden Konsequenzen leben müssten, wenn sich die Risiken einer Behandlung voll und in aller Härte verwirklichen.