Gewusst? ASS bei Männern und Frauen verschieden

Wussten Sie, …
… dass ASS, ein häufig benutzter Wirkstoff zur Blutverdünnung, bei Männern und Frauen völlig unterschiedlich wirkt?

Zahlreiche Studien belegen mittlerweile, dass es deutliche, geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wirkung von Arzneistoffen geben kann. Dies ist z.B. durch den bei Frauen höheren Körperfettanteil, der zu geringeren Blutspiegeln fettlöslicher Arzneistoffe führt, bedingt. Aber auch beim Abbau (d.h. der Wirkdauer) eingenommener Arzneistoffe zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei der Entwicklung neuer Medikamente werden Frauen aus Angst vor ungeplanten Schwangerschaften kaum in klinische Studien eingeschlossen. In der Praxis hat dies zur Folge, dass die an Männern getesteten Arzneimittel bei Frauen oft zu einer erhöhten Rate an (unerwünschten) Nebenwirkungen führen.

Erst seit der Einführung der so genannten Gendermedizin, der geschlechtsspezifischen Medizin, im Jahre 2004 werden die biologischen Unterschiede der Geschlechter und deren Auswirkungen auf Erkrankungen und Therapien gezielter erforscht. So zeigte sich z.B., dass der stark schmerzstillende Wirkstoff Morphin bei Frauen wesentlich wirksamer ist als bei Männern. Letztere benötigen eine ca. 40% Prozent höhere Dosis.
Auch bei dem Blutverdünner Acetylsalicylsäure, auch als ASS 100 bekannt, erreichen Frauen zwar langsamer, aber dafür wesentlich höhere Wirkstoffspiegel als Männer, bezogen auf die Dosis je Kilogramm Körpergewicht. Dies liegt möglicherweise an der langsameren Verstoffwechselung und Ausscheidung des Arzneimittels bei Frauen. Bisher völlig unbekannt ist leider die Ursache des folgenden verblüffenden Effekts: Die Einnahme von ASS 100 bewahrt Männer zwar statistisch vor einem Herzinfarkt, nicht jedoch vor einem Schlaganfall. Wenn umgekehrt Frauen ASS 100 anwenden, erreichen sie einen statistisch relevanten Schutz vor einem Schlaganfall nicht jedoch vor einem Herzinfarkt.

Quellen und weiterführende Hinweise:

Deutsche Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin e.V.

Ridker PM, Cook NR, Lee IM, Gordon D, Gaziano JM, Manson JE, et al., A randomized trial of low-dose aspirin in the primary prevention of cardiovascular disease in women, N Engl J Med 2005; 352:1293-304

Deutsche Apothekerzeitung vom 05.09.2013